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Bio-Garn aus Schlachtabfällen

31.07.2015 15:24

Kleidung aus Tierkadavern - das ist kein Witz, und nichts für Veganer. Allerdings ist es Wissenschaftlern gelungen, dünne Fasern aus Schlachtabfällen zu spinnen. Mit dieser Technik lässt sich Garn herstellen, mit dem man z.B. stricken kann. Also vielleicht bald Realität, die wärmende Kleidung, aus den Resten von Tierkadavern. Die Gelatine-"Wolle" ist biologisch abbaubar.

Die Fasern-Oberfläche ist glatt, wodurch sie seidig glänzt. Versuchsweise liess der ETH-Doktorand P. Stössel das Garn aus den Fasern zu einem Handschuh verarbeiten und bemerkte, das sas Garn ähnlich gute isolierende Eigenschaften wie Merinowolle besitzt. Elektronenmikroskop-Bilder zeigen wieso - denn das Innere der Fasern ist von Hohlräumen durchzogen.

Der Grundgedanke, Textilien aus Gelatine zu produzieren, ist schon mehr als 100 Jahre alt. Die Kunstfasern auf Erdölbasis jedoch gewannen nach dem 2. Weltkrieg schnell die Überhand. Naturgarn hat aber den großen Vorteil, dass es biologisch abbaubar ist und aus erneuerbaren Ressourcen entsteht. So wurde bereits aus dem Milchprotein Kasein Garn entwickelt.

Die Gelatine wird aus Kollagen gewonnen, dem Hauptbestandteil von Haut, Knochen sowie Sehnen. In Schlachthäusern fällt es in rießigen Mengen als Abfall an. Beim Experimentieren stellten die Forscher fest, dass Gelatine in Verbindung mit Lösungsmittel eine Masse bildete, die sich problemlos zu Fäden ziehen lassen. Gemeinsam mit der Materialforschungsanstalt Empa in St. Gallen wurde eine Methode entwickelt, um die Substanz mit Spritzpumpen zu feinen Endlosfäden von nur 25 Mikrometern Durchmesser zu ziehen (menschliches Haar ist doppelt so dick). 200 m Fasern je Minute liessen sich so herstellen, 1000 davon verzwirnten die Forscher mittels einer Handspindel zu einem Garn.

Ein grundsätzliches Problem der Gelatine aber ist es, dass sie wasserlöslich ist. Deshalb muss durch unterschiedliche chemische Verarbeitungsstufen die Wasserfestigkeit des Garns stark verbessert werden. Aktuell wird weiter daran gearbeitet, die Fasern noch wasserfester zu machen.

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