• 06725 30 70 820 von 09.00Uhr - 15.00Uhr

Bio-Gemüse aus dem Schließfach

13.07.2015 19:39

Frisches Bio-Gemüse aus dem Automat - Realität in Paris, hier hat Joseph Petit zwei Läden - in beiden verkauft er Bio-Ware aus der Region. Doch Personal benötigt er keines.

Vorbild für die Filialen von "Au Bout du Champ" (Am Ende des Feldes) ist eine über 100 Jahre alte Idee aus Berlin. Wie in den für kurze Zeit sehr populären Automatenrestaurants bietet Petit seine Produkte in kleinen Schließfächern an. Offenbar kommt die Kombination aus vergangenem Charme und bewusster Ernährung gut an. Denn oft ist es schwer in Metropolen wie Paris frisches Obst oder Gemüse aus der Region zu bekommen. Aus diesem Grund versucht Petit mit seinen Geschäften diese Lücke zu schliessen. "Unsere Landwirte gehören zu den besten der Welt", sagt er über die französischen Bauern. Für ihn ist es nicht nachzuvollziehen, warum trotzdem so viele Produkte aus dem Ausland auf dem Markt sind.

Der persönliche Kontakt zu seinen Lieferanten ist Petit wichtig. Bei wem er einkauft ist stets vom saisonalen Angebot abhängig. Sein Produktangebot beinhaltet neben Obst, Gemüse und Eiern auch Kräuter, Pilze sowie frische Säfte. Eine Grundregel ist, dass keiner der Höfe oder der Felder über 100 km von Paris entfernt sein darf. Denn schliesslich müssen die Produkte täglich frisch in die Stadt transportiert werden.

Ein bisschen sehen die Läden aus wie Räume voller Schliessfächer. Jedes Türchen ist durchsichtig, so dass der Kunde die Ware erst genau ansehen kann. Wenn am Automaten bezahlt wurde, kann man das ausgewählte Gefach öffnen. Dass die Idee so gut ankommt, hänge wohl auch mit den Preisen zusammen, so Petit. Da er kein Verkaufspersonal braucht, kann er die hochwertigen Bio-Produkte verhältinsmäßig preiswert anbieten. Und die Läden haben an allen 7 Wochentagen von 8-22 Uhr geöffnet.

Die beinahe durchgehende Öffnungszeiten schätzen zahlreiche Kunden. Wenn im Kühlschrank etwas fehlt, kann man schnell hierhin, anstatt irgendwo einen Burger oder eine Pizza zu kaufen. Der Automatenladen punktet also mit stets frischen und zugleich regionalen Produkten. "Unsere Erdbeeren werden am Morgen gepflückt und stehen dann schon am selben Nachmittag in der Verkaufsbox, die Leute kaufen die Erdbeeren also praktisch genau so, wie wir sie vom Bauern bekommen haben", erklärt Petit. Für die Kundschaft sei die tägliche frische das wichtigste Argument. Eine "Wiederentdeckung des Geschmacks" sei es für viele.

Einen ähnlichen Plan verfolgt der schottische Kartoffelbauer Peter Grewar ebenfalls. Früher bakam er auf seiner Farm (Grafschaft Perthshire) ständig Besuch von Leuten, die ihre Kartoffeln direkt bei ihm kaufen wollten. Seinem Nachbarn erging es genauso. Also boten sie ihre Ware in aufgestellten Metallboxen an, die eigentlich zum Frischhalten von Eiern benutzt wurden. Auch hier wurden die Verkaufsautomaten positiv angenommen. Kurze Zeit später schlossen sich weitere Bauern aus der Region an und erweiterten so das Angebot. In den Automaten standen nun auch beispielsweise Blumenkohl, Brokkoli oder Beeren zum Verkauf. Einzige Voraussetzung - es muß schottische Ware sein und sie muß saisonal sein. Zusammen haben die Bauern mittlerweile an 4 Standorten Automaten aufgestellt, auch in einem Einkaufszentrum in Dundee.


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.