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Bio-Kunststoff aus Holzresten

19.06.2015 15:53

Nylonstrümpfe aus Holz - nicht nur biologisch, aus Müll hergestellt! Ein großes Vorhaben das die Biotechnologen der Universität des Saarlandes verfolgen - aus Holzabfällen Nylon produzieren. Kunststoffe aus Erdöl könnten somit bald Geschichte sein!

Hört sich schräg an, könnte aber vielleicht in einigen Jahren ganz normal sein - Nylon aus Holz gefertigt. Chemiker wollen das Bakterium Pseudomonas putida zur Nylonproduktion verwenden. Dessen Stamm KT 2440 gewinnt aus dem Holzstoff Lignin eine Vorstufe der Adipinsäure, die wiederum der Grundstoff für hochwertiges Nylon ist. "Die biotechnische Herstellung ist eine echte Alternative zur energiefressenden und Klimagas produzierenden Synthese aus Erdöl", so Prof. Ch. Wittmann. Ein Patent auf das Verfahren haben sie schon. Seit 2 Monaten arbeiten sie an der Optimierung, damit das Verfahren in Zukunft industriell eingesetzt werden kann. Bei Erfolg, lässt sich die neue Produktionsart vielfältig verwenden. Das sehr langlebigen Nylon wird nicht nur für Strumpfhosen, sondern auch beispielsweise für Autoteile oder Dübel genutzt.

Der Kunststoffbedarf aus nachwachsenden Rohstoffen steigt rasch an. Allmählich gehen die Erdölreserven zur Neige, gleichzeitig braucht die Weltbevölkerung immer mehr Kunststoff. Biotechnologen arbeiten weltweit an neuen Verfahren, die die Plastik-Gewinnung aus Erdöl ersetzen können. "Weißer Kunststoff" macht trotzdem nicht einmal 2% der weltweiten Polymer-Produktion aus.

Nach der Ansicht von Forschungsinstituten und Herstellerverbänden könnte sich das bald ändern. So schätzt der Branchenverband European Bioplastics 2017 eine Jahresproduktion von mehr als 6000 Kilotonnen Bio-Kunststoff. 2012 wurden vergleichsweise rund 1400 Kilotonnen des erdölfreien Materials produziert.

Einen rießigen Vorteil der Methode wird im Vergleich zur Herstellung auf Erdölbasis in einem wesentlich geringeren Energiebedarf liegen. Außerdem lasse sich die Adipinsäure aus einem Holzanteil gewinnen, der als Abfall meistens verbrannt wird, und nicht aus Nahrungspflanzen. Angesichts der Diskussion "Tank oder Teller" hat das einen hohen Stellenwert. Die bisherigen Biokunststoffe basieren auf Nahrungspflanzen wie Mais oder Zuckerrüben.

Bis zur industriellen Anwendung müssen aber noch einige Probleme gelöst werden. "Es gilt zu zeigen,dass die Produktqualität stimmt und sich das Biotech-Produkt genauso gut auf vorhandenen Anlagen verarbeiten lässt wie das petrochemische", sagt Wittmann. In den nächsten 3 Jahren will er und sein Team das beweisen.


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