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Biologisch abbaubar

23.07.2015 16:16

Jährlich fallen weltweit 275 Mio. Tonnen Plastikmüll an - so eine Studie der Universität von Georgia. Davon werden 32 Mio. Tonnen an den Küsten angeschwemmt, 8 Tonnen schwimmen in den Ozeane. Für die Umwelt ein rießiges Problem.

Die Lösung des Problems könnte eine Pflanze sein - die Kardone. Im Norden Sardiniens wird die Kardone angepflanzt. Ihr Öl wird für die Produktion von Bioplastik genutzt.

Die Unternehmen Novamonz und Versalis haben sich im Rahmen des EU-Projektes "FIRST2RUN" zusammengeschlossen. Sie stellen unter dem Namen Matrìca Plastikprodukte her, die biologisch abbau- sowie recycelbar sind und zu Dünger werden. Hierfür extrahiert man aus den Kardonnensamen das Öl und mischt es mit Sonnenblumenöl. Nichts wird verschwendet. So werden die Blätter und Stile verbrannt, zur Energiegewinnung für die Fabrik.

Bleibt die Frage, ob diese Kardonen-Plantagen der Landwirtschaft nicht die Flächen stehlen? M. Falce (verantwortlich für den Landwirtschaftssektor bei Novamont) erklärt: “Nein, wir nehmen der Landwirtschaft keine Fläche weg, wir versuchen dem Land den Wert zu geben, den es in der Landwirtschaft verloren hat. In dieser Gegend gab es in den vergangenen 30 Jahren rund 60.000 Hektar verlassenes Land. Hier wollen wir wenige Prozent, 3 oder 4 Prozent der Flächen mit der Kraft der Kardone wiederherstellen. Sie ist perfekt geeignet ist für die mediterrane Umgebung. Sie muss nicht bewässert werden, sondern nutzt das Wasser, das vom Himmel fällt."

Errichtet wurde die Bioplastik-Fabrik wurde auf einem alten, verlassen Fabrikgelände. Maschinen für die Säuredestillation arbeiten auf hochtouren, um den Bioplastik zu produzieren. Chemische Lösungsmittel sind hier Fehlanzeige – alle Produkte sind schadstoffrei und umweltfreundlich. Verantwortlich dafür, dass aus dem Öl Bioplastik wird, sind 4 Reaktoren. So wird das Öl in den ersten Reaktor gegossen, die Säure kommt aus dem 4. dazu – bereit zu Bioplastik verarbeitet zu werden. Forscher analysieren regelmäßig die Qualität der Öle und die der Endprodukte. Ständig werden neue Produktionsmethoden entwickelt. Entwicklungschef L. Capuzzi erläutert: "Das Pflanzenöl ohne toxische Gase wie Ozon umzuwandeln ist ein komplett neuer, einzigartiger Prozess. Wir erhalten eine Säure, die das grundlegende Rohmaterial für Bioplastik ist, der zum Beispiel für Einkaufstüten verwendet wird. Und wir erhalten eine andere Säure, die als Bio-Herbizid verwendet werden und viel toxischere Moleküle ersetzen kann – sie kann auch für Bioschmierstoffe oder palmölfreie Kosmetika verwendet werden oder sogar in Reifen, um giftige und krebserregende Minieralöle zu ersetzen."

Zu den Bioprodukten aus Sardinien zählt auch ein schadstofffreier Bioschmierstoff für Schiffe, welcher sich im Meer auflöst. Für die Umwelt ist das ein enormer Schritt. In Europa alleine gelangen jährlich knapp 3 Mio. Tonnen Schmieröl ins Meer. Aktuell ist die Biokunststoff-Herstellung noch teuer als die normale Produktion – doch die Folgekosten für die Entsorgung der Bio-Produkte aus Sardinien belaufen sich fast auf null.


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