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Milch wird zu Öko-Plastik

16.04.2015 18:51

Kuhmilch als Basismaterial für Kunststoff. Nun nutzt eine Firma die Technik zur Öko-Plastik Produktion.

Schon seit langem gibt es Plastik aus Biomasse - aber Plastik aus Milch? An genau das hat sich die Firma "Qmilch" herangewagt. Das Unternehmen ist eigentlich für eine Faser für die Textilindustrie bekannt, welche aus Milch produziert wird. „Dabei haben wir den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht“, so die Geschäftsführerin. Da es ist komplizierter ist aus dem Molkereiprodukt Casein eine Faser herzustellen, als ein Kunststoffgranulat.

Tatsächlich war Milch das Basismaterial des aller ersten Kunststoffs Galalith, welcher 1897 entwickelt wurde. Allerdings verdrängte das viel billigere Erdöl die Milch, und so verlief die Technologie im Sande. Doch nun führt Qmilch die ersten Produkte auf dem Markt ein. Nach Angaben des Unternehmens habens sie die selben positiven Eigenschaften wie Textilfasern aus Milch. Sie sind kompostierbar, wirken antibakteriell und sind aus einem nachwachsenden Rohstoff. Dabei wird nicht etwa die Milch verarbeitet, die in den Supermarktregalen landen könnte - nein - es wird nur Rohmilch verwendet, die nicht mehr zum Verzehr geeignet ist, so das Unternehmen. Rolf Buschmann (Referent für technischen Umweltschutz beim BUND) begrüßt es, dass sich das Unternehmen hierzu verpflichtet und es so zu keiner Lebensmittelkonkurrenz kommt. Trotzdem möchte er das Milchplastik nicht „über den grünen Klee loben“. Denn Müllvermeidung solle immer im Vordergrund stehen. Desweiteren besteht die Sorge, dass andere Firmen sich die Technologie zu Nutze machen und dabei normale Milch verarbeiten.

Bei Qmilch ist man zuversichtlich, ausreichend Rohstoffe für die Produktion besorgen zu können. Sie geht davon aus, dass deutschlandweit jedes Jahr 2 Mio. Tonnen Milch vernichtet werden. Aktuell werden 2.000 Tonnen Milchkunststoff jährlich hergestellt, mit steigender Tendenz.

Der Milch-Kunststoff sei ein Nischenprodukt, so Michael Herrmann von PlasticsEurope (führender Verband der Kunststofferzeuger). Ob sich die Herstellung rechne, sei die alles entscheidende Frage. "Wir sind eindeutig teurer als Hersteller von Erdölprodukten“, so Qmilch. Das Hauptgeschäft sei noch die Textilfaser. Allerdings würden schon bald Folien und massive Gegenstände die Produktpalette erweitern. Die biologisch abbaubaren Folien hätten eine prima Aromabariere und seien deshalb für die Lebensmittelverpackung ideal. Bald kommt sogar ein Baby-Beißring auf den Markt – aus Milch hergestellt.

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