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Schlachtfabrik gegen Bio-Metzgerei

02.09.2015 16:12

Bis vor Kurzem gehörten Schlachthöfe zum festen Bestandteil der wirtschaftlichen Infrastruktur Ostbayerns. Doch wie bei den Bauernhöfen, fielen zuerst die kleinen, dann die mittleren und letztendlich sogar die großen Schlachtbetriebe dem Strukturwandel sowie der Trendwende für Einheiten mit immer größeren Kapazitäten zum Opfer.

Erst 2014 musste der Fleischkonzern Vion die traditionsreichen Schlachthofstandorte Straubing und Pfarrkirchen schließen. Die übrigen Schlachthöfe in Landshut und Vilshofen wurden zu leistungsstarken Schlachtfabriken, in denen jeden Tag Zehntausende Tiere verarbeitet werden aufgerüstet. Ein wirklicher Gegenensatz hierzu wurde nun in Niederhummel (Landkreis Freising) eröffnet. Sogar Vegetarier wurden durch dieses Projekt zum Fleischessen bekehrt. Denn in dem Bio-Schlachthof läuft einiges anders ab als in den konventionellen Schlachtereien.

Und so sieht also die Selbstständigkeit aus - Bernhard Renner (43) im Allgäu geboren, gelernter Metzgermeister, Landwirt und nun auch noch Geschäftsführer des Bio-Schlachthofes. Täglich arbeitet er 14-16 Stunden. In erster Linie als Bio-Metzger, aber auch als Bio-Landwirt. Selbst ist der Mann - er steht am Kutter, würzt das Brät, zerlegt die Rinderhälften. Der Hof, den er bewirtschaftet, liegt direkt neben der neuen Bio-Schlachterei. Seit dem Start Anfang Juli beschäftigt er dort 10 Mitarbeiter.

Die Tiere im "Tagwerk" sollen vor der Schlachtung so wenig Stress wie möglich ausgesetzt werden. Aus diesem Grund dürfen sich die Rinder und Schweine, nach der Anlieferung, einige Tage im Stall auf Stroh regenerieren. Diese kommen von Bio-Höfen, die höchstens 50 km entfernt sind, damit der Transport so kurz wie möglich ist. Am Tag der Schlachtung müssen die Rinder und Co. nur einige Meter zurücklegen, bis sie die Betäubung gekommen. Steile Rampen oder lange Treibgänge hin zur Einzeltötebox findet man hier auch nicht. Alles geschieht in Ruhe, ohne Hetzte, ohne Hektik.

Renner schlachtet pro Woch ungefähr 25 Schweine und 8 Rinder. Im vorderen Teil der knapp 4 Mio. Euro teuren Bio-Schlachterei findet man einen kleinen Verkaufsraum vor, in dem all die Produkte angeboten werden, die in der Metzgerei dahinter produziert werden. Der Verkauf dort laufe sehr gut, so Renner. "Ich muss mich selber wundern, wie der Laden angenommen wird und was da für Umsätze gemacht werden. Das ist Wahnsinn."

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