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Umweltfreundliches Oktoberfest

23.09.2015 19:13

Sechzehn Tage lang Party ohne Ende beim weltgrößten Volksfest - das gibt es eine rießen Sauerei, so denkt man. Doch da liegt man falsch! Kaum eine andere Großveranstaltung ist so umweltfreundlich wie das Münchner Oktoberfest.

Das Oktoberfest ist eine Superlative-Party - 170 grell leuchtende Achterbahnen sowie Fahrgeschäfte, dröhnende Musikanlagen neben Schießständen voller Plastikblumen, Bierzelte in Sporthallengröße. Dazwischen gedrängt 6 Mio. Besucher in den unterschiedlichsten Trunkenheitsgraden, die 0,5 Mio. Hähnchen verspeisen und mit rund 8 Mio. Liter Bier herunterspülen.

Wie will man da die Umwelt schonen? Es ist eine Herausforderung, aber es geht. Was kaum einer weiß, das Münchner Oktoberfest hat sich den Status als grünes Großereignis erarbeitet und erhielt 1997 sogar den "Umwelt-Oscar".

Mit dem Essen geht es los - vom Grillhähnchen, dem sogenannten "Wiesn-Hendl" über Haxe und Bratwurst bis hin zu gebrannten Mandeln sowie Schokofrüchten - alles auch in Bio-Qualität erhältlich. Im Wirtshaus Schichtl z.B. gibt es ausschließlich Bio-Fleisch von Hermannsdorfer (renommierten Biobauernhof der Region). "Bei Fleisch ist die Bio-Qualität natürlich besonders wichtig und die Leute kommen deswegen auch gezielt zu uns", erklärt die Leiterin der Gastronomie.

Ganz gleich welches Brauerei-Festzelt man betritt, ist gewiss dass das Bier nach deutschem Reinheitsgebot ohne genverändertes Getreide gebraut wurde und in einem Maßkrug aus Glas oder Porzellan serviert wird. Daher sucht man auch Bierdosen auf dem Oktoberfest vergeblich. Die Maßkrüge werden einfach gespült. Und das Spülwasser landet in 5 der 14 Festzelte nicht im Abwasserkanal, sondern in den Toilettenspülungen der Zelte.

1991 kam es zum große Umbruch - damals wurde das Einweggeschirr verboten, Porzellan ersetzte die Pappteller. Das Resultat- der Restmüll verringerte sich um beinahe 90 %. Damals fiehlen noch 8100 Tonnen Müll an, im vergangenen Jahr waren es nur noch 958 Tonnen - also keine 200 Gramm je Besucher. "Bei der Trennung von Papier und Restmüll könnte man noch nachbessern. Aber ansonsten sind wir zufrieden", so die Bilanz von E. Thiermann vom Münchner Abfallwirtschaftsbetrieb AWM. Ein wahrer Segen sei das Plastikteller-Verbot, sonst wäre die Müllentsorgung wesentlich schwieriger. Die Besucher freut der Verzicht auf Plastikgeschirr auch - nur aus einem anderen Grund - ein geklauter Maßkrug geschickt an den Sicherheitsbeamten vorbeigeschleust, ist ein illegales, aber heiß begehrtes Souvenir.

Inzwischen ist Umweltfreundlichkeit ein wichtiger Punkt, der die Standbetreiber zu grünem Handeln zwingt, denn die Konkurrenz für die Stände auf der "Wiesn" ist groß. "Wir wollen die Umwelt schonen. Gerade bei so einer großen Veranstaltung, die natürlich eine Menge Strom verbraucht, Müll und Emissionen produziert, halte ich das persönlich für wichtig", so H. Spindler, Leiter der Veranstaltungsabteilung der Stadt München. Und ganz nebenbei - ist es auch einfach gute Werbung.

Bereits seit 2000 werden alle öffentlichen Bereiche des Oktoberfests, wie beispielsweise die Straßen und Toiletten mit Ökostrom betrieben. Mehr als 60 % der Schausteller sowie Festzeltbetreiber sind dem gefolgt und haben freiwillig auf Ökostrom gewechselt. So werden Fahrgeschäfte wie das Riesenrad, der Freefall-Tower oder die "Wilde Maus" nun mit Elektrizität aus Wasserkraftwerken der Münchner Stadtwerke versorgt. Zwar ist das teurer, doch unabdinglich, denn das größte Volksfest weltweit ist und bleibt trotz aller Bemühungen ein Stromfresser. Jedes Jahr werden 3 Mio. kWh gebraucht - 1200 Haushalte könnten damit ein Jahr lang mit Strom versorgen.

Übrigens kann man ganz ohne Strom oder CO2 zur Wiesn an/abreisen. Denn zur Oktoberfestzeit sind mehr als 200 Fahrradtaxen in München unterwegs. Die Rikschas, auf denen 2 Fahrgäste Platz haben, werden oft einziog durch die Muskelkraft des Fahrers betrieben. Die Oktoberfest-Besucher selbst interessieren die Umweltschutzbemühungen allerdings nur wenig bis gar nicht. "Die meisten Oktoberfestbesucher achten nicht darauf, für sie ist das Volksfest der Ort, an dem man mal über die Stränge schlägt. Da stehen Genuss und Lebensfreude deutlich im Vordergrund", erklärt Spindler. Daher hängt kaum ein Standbesitzer sein ökologisches Engagement an die große Glocke.

Doch generell ist das Desinteresse nicht ausschlaggebend. Denn wenn die Gäste trotzdem von Mehrweg-Porzellantellern ihr Bio-Hähnchen essen, sich mit Ökostrom in der Achterbahn rumwirbeln lassen und später mit der Fahrradrikscha nach Hause fahren, sind alle glücklich - der Besucher wie die Umwelt!

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